Im Netz findet man unzählige Wörterbücher für moderne Sprachen – für Latein ist das Angebot dagegen schon viel dünner. Doch nicht nur in der Anzahl der Anbieter unterscheiden sich die “toten” Sprachen von ihren modernen Nachfahren, auch die Anforderungen an ein Wörterbuch sind typischerweise andere. Die Aussprache spielt keine Rolle, dafür sind Formen (Stammformen, Genitive, Pluralformen etc.) und Hinweise zur Grammatik und Verwendung umso wichtiger. Wir stellen fünf Online-Wörterbücher für Latein-Deutsch vor, die wir uns im Hinblick auf Inhalt, Optik und Bedienung angesehen haben.
1. Das Onlinewörterbuch von Navigium sucht auch nach flektierten lateinische Formen und Phrasen. Nach eigenen Angaben bietet es inzwischen mehr als 21.000 Einträge und über 80.000 Phrasen – das sollte jedenfalls fürs Latium reichen
Gut gefällt uns, dass die Vokabeln, die als Ergebnisse gefunden werden, mit Längen und Stammformen angezeigt werden, die Suche nach “occidere” fördert sowohl “occidere, occidō, occidī, occasūrus” als auch “occīdere, occīdō, occīdī, occīsum” zutage. Positiv auch: Redewendungen bei den Suchergebnissen. Weniger gut finden wir die Optik, die nicht mehr so ganz zeitgemäß erscheint, und dass Ergebnisse teilweise doppelt angezeigt werden. Trotz dieser Schwächen aus unserer Sicht das beste Wörterbuch.
Note: sehr gut
2. Das Latein-Wörterbuch von Albert Martin hat eine hübsche schlichte Oberfläche, die an Google erinnert. Positiv: großer Wortschatz, leichte Bedienung, hohe Geschwindigkeit, Korrekturfunktion. Nicht so gut finden wir: keine Anzeige von langen Vokalen, Ergebnisse werden als simple 1:1 Liste angezeigt und sind nicht nach Vokabeln gruppiert. Formen nur über ein Info-Icon sichtbar. Verdienter 2. Platz, kommt aber an Navigium nicht ganz heran.
Note: gut
3. Das Auxilium Wörterbuch bietet (nach eigenen Angaben) über 15.000 lateinische Vokabeln und versucht auch, Formen zu bestimmen. Positiv: Oberfläche und Bedienung wirken zeitgemäß, wir finden allerdings die Werbung ziemlich störend, da mitten auf der Seite. Hübsch: die Formentabelle. Leider sind kaum Sätze und Redewendungen vorhanden und Längenzeichen über Vokalen fehlen auch. Bei vielen Vokabeln ist die Wortart unbekannt.
Note: befriedigend
4. Das Wörterbuch von e-Latein befindet sich (seit 2003?) im Versuchsstadium und bietet (nach eigenen Angaben) ca. 2.300 Vokabeln, wodurch das Wörterbuch vom Umfang her mit den vorderen Plätzen nicht mithalten kann. Eine Vielzahl der Funktionen ist noch nicht implementiert, die Optik ist allerdings auch so schon ganz nett. Leider gibt es weder Längen, noch (angesichts des Umfangs kaum verwunderlich) Sätze und Redewendungen. Daher allenfalls für Anfänger geeignet.
Keine Note (da keine finale Version)
5. Wenig Nutzen können wir dagegen in dem QuickDict Wörterbuch erkennen. Die Bedienung wird durch Werbung und fehlende Logik erheblich erschwert, nach der Eingabe von “occidere” gelangt man auf eine neue Seite, auf der nicht etwa die Übersetzungen zu finden sind, sondern ein Link auf die Vokabel. Klickt man den an, springt man wieder zurück ins Suchformular(?). Schwerer aber wiegt, dass die lateinischen Vokabeln keine Infos zu Wortart oder Geschlecht bieten. Formen? Fehlanzeige. Dass es auch keine Längen oder Hinweise zur Grammatik gibt, brauchen wir nicht mehr zu erwähnen…
Note: ungenügend
Fazit: Die ersten beiden Angebote sind durchaus ein Ersatz für gedruckte Wörterbücher und haben ihren analogen Vorgängern gegenüber sogar Vorteile – vor allem beim Identifizieren von Formen. Sie eignen sich damit auch gut als Nachschlagewerke, wenn man bei planet-tmx eigene Vokabeln eingibt oder unsicher ist, welche Wortart “etiamsī” hat. Plätze 3 bis 5 sind dagegen wenig hilfreich – hier dürfte jedes gedruckte Exemplar weit vorne liegen.